Viele Jugendliche wollen eine eigene Wohnung mieten
Die Zeiten, in denen Wohngemeinschaften soziale Treffpunkte waren und ein Sinn für die Gemeinschaft herrschte, sind vorbei. Heute wollen Jugendliche lieber eine eigene Wohnung mieten.
Manche sagen, es sei wichtig für Jugendliche mindestens einmal in einer Wohngemeinschaft gelebt zu haben, um einen Sinn für Gemeinschaft zu bekommen, andere halten es schlicht für überflüssig.
In den letzten Jahren wurde deutlich, dass die Zahl der angemeldeten Wohngemeinschaften in Deutschland kleiner wird. Offenbar sind soziale Treffpunkte, zumindest in den eigenen vier Wänden, nicht mehr so beliebt. Die Tendenz von vielen Jugendlichen, die erstmals von zu Hause ausziehen, geht eher in Richtung eigener Wohnung mieten. Die damit einhergehende Abgrenzung von gleichaltrigen Zeitgenossen, von der zumindest befürchtet wird, sie könne zu regelrechter Isolation führen, wird dabei oftmals als nicht so gravierend eingeschätzt. Ob sich die Jungen und Mädchen zwischen 16 und 25 darüber voll im Klaren sind, dass sie sich eventuell sogar unfreiwillig selbst aus ihrem sozialen Umfeld werfen, ist fragwürdig. Müssen sich Eltern also Sorgen um die jungen Generationen machen? Muss befürchten werden, dass in wenigen Jahren die Zahl der sogenannten Einzelkämpfer, die der "Rudeltiere" um Längen überholt hat?
Ganz so dramatisch wird es dann wohl doch nicht kommen, denn parallel zu der Tatsache, dass offenbar der Wunsch nach einer eigenen Wohnung zunimmt, steigt auch das Bedürfnis vieler junger Menschen, in Deutschland ihre Freunde und Freundinnen in Bars, Cafés, Kneipen und Nachtklubs zu treffen. Wer sich in den letzten Monaten freitags oder samstags in die Innenstädte deutscher Metropolen gewagt hat, wird bezeugen können, dass der Wunsch nach Kommunikation und gemeinsamen Erlebnissen immer noch vorhanden ist. Die Straßen sind voll von jungen Menschen, kaum einer oder eine ist allein unterwegs. Wenn Jugendliche eine Wohnung mieten wollen, muss dies nicht zwangsläufig zur Isolation führen, es kann aber durchaus dabei helfen, dass Jugendliche schneller auf eigenen Beinen stehen, da sie sich nicht auf anderen ausruhen können.
Die offensichtliche Tendenz Richtung eigene Wohnung mieten, die nicht mit mehreren Mitbewohnern geteilt wird, hat also scheinbar nur mittelbar mit der vielerorts geschürten Sorge um die Zunahme sozialer Kälte zu tun.
10.05.2010